Hast Du nicht auch manchmal das Gefühl, dass die Welt des Überflusses, in der wir leben, uns  ziemlich unfrei macht? Höher, schneller, weiter. Brauchen wir wirklich ein opulentes Masterbad, wenn das Wasser eh knapp ist? Und ist es auch nur im Ansatz zu vertreten, jeden Tag Fleisch zu essen, wenn Tiere dafür ziemlich elendig leben und sterben müssen? Muss es immer die neueste Technik sein? Statt Benziner und Diesel fahren wir jetzt Elektroautos. Strom ist aber nicht umsonst, genauso wie Kühe nicht lila sind.

Wir rauschen von einer Abhängigkeit in die andere, anstatt uns darüber Gedanken zu machen, wie wir zum Beispiel unsere Mobilität nachhaltig und neu denken können. Irgendwie haben wir unser Koordinatensystem verloren und uns entfremdet. Von uns selber und damit von der Welt, in der wir leben. Wie wäre diese wohl, wenn wir Jean Paul Sartres Freiheitsbegriff leben würden? Sartre hat es in etwa so formuliert:

Freiheit ist das, was ich aus dem mache, was aus mir gemacht worden ist.

Merkwürdig, einerseits wollen die meisten frei und selbstbestimmt leben. Andererseits schrecken wir davor zurück. Im alten Denken verhaftet, glauben wir, dass unsere Freiheit mit der Zulassung eines Wohnmobils beginnt. So weit sind wir also. Wir sollten uns fragen, ob es das ist, was wir vom Leben wollen. Oder, ob es hinter dem Horizont nicht noch etwas anderes gibt. Wo weniger gleich mehr ist. Wo wir uns und damit die Welt besser verstehen. Und näher heranrücken an die Natur, deren Bestandteil wir sind. Dann würden wir vielleicht feststellen, dass vieles überflüssig ist. Und, dass es in unserer Verantwortung liegt, eben diesen Überfluss, in Wahrheit ein Leben auf Pump, auf den Prüfstand zu stellen. Erfinden wir uns neu.


Michael Grundheber liest vor. Viel Spaß beim Zuhören.